Tierarzthaftung bei Behandlungsfehler – wer muss es beweisen?

Es gibt mal wieder ein Urteil, über das es sich zu berichten lohnt. Nämlich das des Bundesgerichtshofs, Az: VI ZR 247/15. Es ging um die Frage, wer muss beweisen, dass dem Tierarzt ein Behandlungsfehler unterlaufen ist. Die Frage ist sehr wichtig. Denn kann der, den die Beweislast trifft, nicht das von ihm behauptete beweisen, geht er baden im Prozess. Daher ist jeder Anwalt erpicht darauf, der Gegenseite die Beweislast anzuhängen. Grundsätzlich ist es jedoch auch so, dass derjenige, der sich auf einen Umstand beruft, der für ihn vorteilhaft ist, diesen auch beweisen muss. Grundsätzlich müsste also der Pferdehalter beweisen, dass der Tierarzt Mist gemacht hat, wenn er von diesem Schadensersatz erhalten will.

Jetzt hat der Bundesgerichtshof jedoch geurteilt, dass in Fällen, in denen es um die ärztliche Behandlung geht, eine Beweislastumkehr stattfindet. Dies ist im Zivilrecht bei Humanmedizinern bereits der Fall. Hintergrund ist, dass ein Nichtmediziner gar nicht überblicken kann, welche Behandlungen angezeigt waren oder dergleichen. Daher billigt die Rechtsprechung in solchen Fällen eine Sonderstellung zu. Diese wurde jetzt auch auf die Behandlung von Tieren ausgeweitet.

Für Pferdehalter ist dies sehr vorteilhaft. In der Praxis zeigt sich, dass oftmals nicht 100%ig gesagt werden kann, ob eine Behandlung oder Nichtbehandlung ursächlich für einen späteren Schaden war. Da der Tierarzt beweisbelastet ist, dass ihm kein Fehler vorzuwerfen ist, kann er dies dann schwer beweisen und unterliegt im Verfahren. Für Tierärzte ist dieses Urteil natürlich weniger erfreulich.

Den Tierärzten ist anzuraten, ausführliche Behandlungsprotokolle zu führen. Die Termine immer kurz zusammenzufassen. Auch aufzuschreiben, warum man auf bestimmte Behandlungen oder Untersuchungen verzichtet hat. Meine Erfahrung zeigt, dass dies oft vernachlässigt wird.

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