kein Schadens-und Schmerzensgeld-anspruch des Bereiters

Eins mal vorweg, ich sehe in der Entscheidung des OLG Koblenz 2 W 600/12 ein ganz krasses Fehlurteil.

Das Oberlandesgericht hatte über einen Fall zu entscheiden, in dem eine Tiertrainerin ein Pferd ausbilden sollte. Beim Abladen des Tieres, trat dieses nach der Bereiterin aus, traf sie am Knie. Dies führte dazu, dass das Knie, insbesondere alle Bänder beschädigt wurden.

Die Bereiterin wollte nun Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche gegen die Tierhalterin geltendmachen. Das Gericht verneinte jedoch einen Anspruch und begründete dies damit, dass sich zwar eine Tiergefahr verwirklicht habe und damit grundsätzlich eine Tierhalterhaftung geben sei. Allerdings habe sich die Bereiterin bewusst in das Gefahrenspektrum begeben und habe so ein 100%iges Mitverschulden zu tragen. Somit sei die Tierhalterhaftung auf 0 reduziert. Dabei verweist das Oberlandesgericht auf eine Eintscheidung des Bundesgerichtshofs aus dem Jahre 2005 und meint, so die eigene Entscheidung zu rechtfertigen. Allerdings hatte die zitierte Entscheidung des Bundesgerichtshofs zum Inhalt, dass es bei einem Kutschfahrtturnier zu einem Unfall kam, bei dem der Turnierrichter verletzt wurde. Hier vertrat das Gericht die Ansicht, dass eine Tierhalterhaftung ausscheide, weil sich der Richter bewusst dem Risiko eines Kutschunfalls ausgesetzt hatte.

Allerdings hat das Oberlandesgericht Koblenz die Entscheidung des Bundesgerichtshofs (Az: VI ZR 166/08) in keinster Weise berücksichtig. Hier ging es um die Frage, ob dem Tierarzt, der bei der Behandlung des Pferdes verletzt worden ist, Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche gegen den Pferdehalter hat, denn er habe sich im Grunde genommen auch der Tiergefahr bewusst ausgesetzt. Der Bundesgerichtshof hatte hier richtiger Weise geurteilt, dass ein Ausschluss der Tierhalterhaftung wegen Handelns auf eigene Gefahr regelmäßig nicht in Betracht kommt, wenn sich der Geschädigte der Tiergefahr ausgesetzt hat, um aufgrund vertraglicher Absprache mit dem Tierhalter Verrichtungen an dem Tier vorzunehmen.

Meines Erachtens dürfte die Tätigkeit als Bereiter eher der Tätigkeit eines Tierarztes als der Tätigkeit eines Turnierrichters entsprechen, so dass das Urteil des Oberlandesgerichts Koblenz absolut falsch sein dürfte.

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