Beweislast bei einem ungeklärten Reitunfall

Es ist ja die ständige Angst eines Pferdehalters, der sein Pferd einem Dritten zum Reiten überlässt. Denn es stellt sich die Frage, ob der Pferdehalter haftet, wenn es zu einem Reitunfall kommt.

Bislang hatte ich immer das Gefühl, dass die Gerichte per se die sich verwirklichte Tiergefahr in den Vordergrund stellten. Ein Scheuen oder Durchgehen des Pferdes ist grundsätzlich jedem Pferd immanent, daher müsse der Tierhalter auch für diese Tiergefahr haften und somit jeden Schaden bezahlen.

Es gibt jetzt allerdings das Urteil des OLG Hamm (9 U 162/11). In diesem wurde der Reiterin kein Schadensersatzanspruch zugesprochen. Begründung: Es kann nicht nachgwiesen werden, warum das Pferd scheute und die Reiterin dadurch zu Boden ging und sich erheblich verletzte. Das OLG Hamm hat ausgeführt, dass ein Scheuen oder Durchgehen nicht automatisch etwas mit der Tiergefahr zu tun hat – ein solches Verhalten könnte durchaus auch durch den Reiter hervorgerufen worden sein. Da die Reiterin in diesem Fall jedoch allein ausgeritten war und es keine Zeugen für den Unfall gab, konnte sie nicht beweisen, wie sich der Unfall tatsächlich zugetragen hatte. Daher wurde der Schmerzensgeldanspruch abgelehnt.

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