Archiv für Januar 2011

Vom chippen und brennen der Pferde

Donnerstag, 27. Januar 2011

Diese Woche zwar etwas verspätet – aber hier ein neuer Blog-Eintrag. Dass ich mit diesem Eintrag gewartet habe, hat einen Grund. Ich wollte die Vorträge der Veranstaltung der PM in Neumünster abwarten. Diesmal ging es um das interessante Thema, ob das Brennen von Pferden tatsächlich als Tierquälerei einzustufen und somit gesetzlich zu verbieten ist.

Am interessantesten war hierbei die Vorstellung der Bachelor-Arbeit der Frau Christina Weber, Agrarstudentin der Universität Kiel. Diese hat das Schmerzempfinden des Pferdes beim Brennen untersucht. Hier wurde ein eindrucksvolles Video gezeigt. Die Fohlen, die gebrannt wurden, zuckten zum Teil nicht einmal zusammen, als das Brandeisen aufgesetzt wurde. Die Untersuchungen zeigten, dass der Herzschlag des Pferdes, welcher ein Idikator für das Schmerzenempfinden ist, beim Scheren des Oberschenkels ebenso erhöht war, wie beim Brennen selbst. Dies zeigt deutlich, dass die Tiere, wenn der Brand fachmännisch durchgeführt wird, kein erhöhtes Schmerzempfinden haben. Im Ergebnis kommt Frau Weber zu dem Schluss, dass beim Brennen eine vertraute Umgebung und das Vertrauen in Menschen ein besonders wichtiger Faktor ist, um den Tieren die Angst zu nehmen. Tiere die keine Angst haben, haben nach medizinischen Erkenntnissen auch ein geringeres Schmerzempfinden.

Herr Dr. Achilles aus Bad Segeberg hielt ebenfalls einen Vortrag. Hierin gab er zunächst einen kurzen historischen Überblick über das Brennen. Es gibt sogar Höhlenmalereien, die den Vorgang des Brennen eines Pferdes dokumentieren – und das schon ein paar tausend Jahr v.Chr.. Das Brennen hat somit eine weit in die Vergangenheit reichende Tradition. Ebenfalls klärte er über verschiedene Identifizierungsmöglichkeiten auf. So gibt es zum Beispiel neben dem Heißbrand auch den Kaltbrand. Dieser ist noch besser sichtbar als der Heißbrand. Dann gibt es z.B. auch den Hufbrand. Nachteil ist jedoch, dass dieser jährlich wiederholt werden müsste, da der Huf ja bekanntlich wächst und die Nummer somit auch herauswächst. Eine weitere Möglichkeit der Kennzeichnung stellt zum Beispiel die Tätowierung der Innenseite der Lippe dar. Dies wurde z.B. überwiegend bei Friesen vorgenommen, da ein Brand auf dem Fell der Pferderasse schwer sichtbar ist. Nachteil ist jedoch, dass dieses Vorgehen sehr schmerzhaft und nicht dauerhaft ist.

Sodann sprach Dr. Achilles über die Erfahrungen mit dem Chippen. Seiner Ansicht nach gibt es hier noch viele Unwegbarkeiten. Es fehlt zum Beispiel an einem internationalen Datenbankennetz, so dass nicht umfänglich auf die Daten zurückgegriffen werden kann. Auch sind verschiedene Chips und Lesegeräte auf dem Markt, die es mitunter schwierig machen, Chips aus anderen Ländern auszulesen. Des Weiteren muss man für das Auslesen des Chips sehr dicht an das Pferd heran. Das größte Manko ist jedoch, dass Chips eben auch wandern können und es auch tun. Dies macht es mitunter schwierig, Pferde tatsächlich zu identifizieren. Herr Dr. Achilles sprach sich im Ergebnis ebenfalls für den Brand aus. Nach seiner Aussage verursachen die Brandwunden des Pferdes keine bzw. selten Neben- oder Nachwirkungen. Beim Chippen kommt es jedoch öfter zu Unbefindlichkeiten des Pferdes.

Des Weiteren wurde unter den Teilnehmern noch disskutiert. Unter anderem kam die Frage auf, ob der Chip das Pferd an sich beeinträchtigen kann, denn dieser wird ja in den Hals des Pferdes eingeschoben. Eine Beeinträchtigung gerade für Dressurpferde kann nicht ausgeschlossen werden. Schließlich handelt es sich um einen reiskorngroßen Fremdkörper, der von dem Pferd durchaus gespürt werden kann. Hierzu gibt es jedoch scheinbar noch keine wissenschaftlichen Untersuchungen, anwesende Tierärzte schlossen eine nachteilige Wirkung jedoch nicht aus.

Am Rande wurde noch mitgeteilt, dass die Chips bei den Schlachtpferden ja eigentlich entfernt werden müssten. In der Praxis wird dies jedoch wohl nicht so eng gesehen. Nach Aussage mancher Schlachter sind diese wohl der Meinung, dass es zu viel Zeit in Anspruch nehmen würde, dieses Reiskorn zu suchen. Außerdem sei der Chip sowieso ins Nackenband eingeführt worden, für welches es in der Futtermittelindustrie keinerlei Verwendung gäbe. Diese Ansicht wird sicherlich nicht nur bei der Schlachtung von Pferden vertreten, so dass auch bei Schwein und Kuh ein solches Vorgehen vielleicht an der Tagesordnung ist.

Stellt sich also abschließend die Frage, welches das geringere Übel ist: Dioxin oder verchipptes Fleisch. Na Mahlzeit!

Pferdehaltung und Finanzamt

Montag, 17. Januar 2011

Der ein oder andere Pferdezüchter kennt die Disskusionen mit dem Finanzamt zur Genüge. Ist der Zuchtbetrieb als Liebhaberei anzusehen oder nicht. Die Beantwortung dieser Frage hat weitreichende Konsequenzen. Wird ein Betrieb als Liebhaberei eingestuft, können Verluste nicht mehr steuerlich geltend gemacht werden. Jeder Züchter weiß, dass es nicht einfach ist, mit der Pferdezucht mal eben so ein Vermögen zu machen. Für viele rechnet sich die Zucht gerade so oder überhaupt nicht. Wenn man die Verluste nicht mehr steuerlich geltend machen kann, führt dies finanziell schnell zu einem Fiasko.

Das Schleswig-Holsteinische Finanzgericht in Kiel kam vor kurzem zu dem Ergebnis, dass das Finanzamt Nordfriesland eine Pferdezucht falsch eingeschätzt habe. Letzteres hatte die Gewinnerzielungsabsicht einer Züchterin verneint, weil sich in den ersten Jahren der Pferdezucht kein finanzieller Gewinn einstellte. Weiterhin hatte das Finanzamt Nordfriesland geltend gemacht, dass angesichts der Verluste bei der Zucht das Betriebskonzept hätte geändert werden müssen, um die Gewinnerzielungsabsicht zu untermauern.

Der Zuchtleiter eines Verbandes hatte dem Gericht jedoch darlegen können, dass die Zucht mit System und Nachhaltigkeit betrieben wurde. Daher hatte das Schleswig-Holsteinische Finanzgericht ausgeurteilt, dass die vergleichsweisen hohen Verluste nicht die grundsätzliche Eignung des Kozepts entkräfteten. Bei einem Zuchtbetrieb liege nach Einschätzung des Gerichts die (verlustreiche) Anlaufphase konzeptbedingt bei etwa fünf bis sieben Jahren.

Leider ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.

Haftung des Vereins bei einem Reitunfall

Montag, 10. Januar 2011

Sobald man ein Pferd hält, haftet man grundsätzlich für nahezu jedes Verhalten des Tieres. Dies bedeutet, dass der Tierhalter grundsätzlich die entstandenen Schäden zu ersetzen hat. Im Einzelfall kann die Erstattungspflicht jedoch reduziert bzw. ganz ausgeschlossen sein, wenn der Verletzte selbst so übermäßig für den Schadenseintritt verantwortlich ist. Das Gesetz hält auch einige Haftungserleichterungen vor. So haftet der Tierhalter beispielsweise bei einem Haustier, welches dem Beruf, der Erwerbstätigkeit oder dem Unterhalt des Tierhalters zu dienen bestimmt ist nur dann, wenn er die im Verkehr erforderliche Sorgfalt nicht beachtet hat.

Gerade bei Vereinen herrscht immer große Unsicherheit, ob und in welchem Umfang diese im Falle eines Reitunfalls haften. Grundsätzlich kann hier keine allgemeingültige Auskunft gegeben werden. Der Bundesgerichtshof hatte sich jedoch kürzlich mit der Haftung eines Vereins für Reittherapie von Behinderten für einen Unfall bei der Reitausbildung zu befassen. Insbesondere mit der Frage, ob hier die eingeschränkte Haftung gilt – eine Haftung also ausscheidet, wenn der Verein die erforderliche Sorgfalt hat walten lassen.

Der Bundesgerichtshof hat mit seiner Entscheidung vom 21.12.2010 (Az: VI ZR 312/09) eine eingeschränkte Haftung verneint. Grund hierfür ist, dass der Verein als gemeinnütziger Verein und somit ohne Gewinnerzielungsabsicht, nicht unter den Privelgierungstatbestand fällt. Er hält die Pferde nämlich gerade nicht um einen Beruf auszuüben oder den Unterhalt des Vereins zu sichern.

Ein Mitverschulden der verletzten Person verneinte das Gericht ebenfalls. Zwar war die verletzte Person behindert und konnte das Pferd aufgrund der Behinderung vielleicht nicht selber führen und hat sich daher selbst einer Gefahr ausgesetzt. Allerdings sei in dem zu entscheidenden Fall zu berücksichtigen gewesen, dass der Verein das Reiten gerade für behinderte Personen anbot und der Reiter somit davon ausgehen konnte, in sicheren Händen zu sein.

Pferd und Reiten nach der Scheidung

Montag, 3. Januar 2011

Ich stelle die kühne Behauptung auf, dass wohl mehr Frauen als Männer reiten. Daher betrifft dieser Blogeintrag wohl eher die Mädels. Es ist heutzutage doch noch nahezu an der Tagesordnung, dass die Frauen nach einer Scheidung auf Unterhalt angewiesen sind. Und plötzlich zetert der unterhaltspflichtige Ex-Ehegatte, man solle sich seinen Lebensstandard allein finanzieren. Hierzu gehört auch, dass das Pferd oder der Reitsport der Ehefrau nicht weiter finanziert werden würde.

Der Bundesgerichtshof hat mit Urteil vom 11.08.2010 (Az: XII ZR 102/09) jedoch entschieden, dass die Unterhaltung des Pferdes sehr wohl bei der Berechnung eines nachehelichen Unterhalts zu berücksichtigen und gegebenefalls von dem Ex-Ehegatten zu finanzieren ist. Dies soll sogar dann der Fall sein, wenn die Ex-Frau derzeit gar kein Pferd besitzt. Hat der/die Unterhaltsberechtigte bereits während der Ehe ein Pferd besessen und befindet sich nach dem Tod des Pferdes aufgrund der ungewissen Unterhaltslage noch kein neues Tier im Eigentum/Besitz der Unterhaltsberechtigten, schließt dies jedoch nicht aus, dass bei einer künftigen Pferdehaltung die Kosten hierfür bei der Unterhaltszahlung zu berücksichtigen sind.

Ich hoffe jedoch, dass der geneigte Leser die Weihnachtstage gut und ohne Trennung überstanden hat und es auch in Zukunft zu dem oben beschriebenen Pferdeproblem nicht kommen wird.